Sardische Mythen und Legenden
Sardische Mythen und Legenden
Unsere Großeltern haben uns Geschichten über phantastische Wesen und Antihelden des Alltags überliefert, sowie auch Geschichten, die eng mit Mythen und Sagen der antiken griechischen Tradition und der Römerzeit verbunden sind. Wir alle erinnern uns an der faszinierende und Pathos-volle Art zu erzählen von unseren Vorfahren. Die "giajos" (Großeltern) lernten wiederum diese Geschichten rund um den heimischen Kamin, wo sich die Familie in der Antike versammelte, um die sogenannten "contos de' foghile" (Kamingeschichten) weiterzugeben.
Jede einzelne Stadt und jedes Dorf Sardiniens hat seine eigenen Legenden und Geschichten, die Teil der sardischen Folklore sind, und vom Vater an den Sohn weitergegeben werden. In der Anglona und der unteren Gallura wurden die Taten von „Antoneddu“ erzählt, einem gerissenen Jungen, der mit Hexen und Ogern kämpfte, die er dank seiner List besiegte. Eine Kreuzung zwischen Der kleine Däumling und dem kleinen Hans vom Hänsel und Gretel Märchen.
Unvermeidlich haben die Geschichten im Laufe der Jahre aufgrund des mündlichen Übergangs von Generation zu Generation, wie es die alten Rhapsodien taten, Änderungen erfahren, was zu vielen Variationen derselben Geschichten führte.
Weitere Legenden sind mit real existierenden historischen Persönlichkeiten verbunden, deren Taten in hyperbolischen Volksmärchen hervorgehoben wurden. Mehrere Geschichten erzählen die Heldentaten der legendären sardischen Banditen der Vergangenheit: Inselräuber, die gegen die Armeen der Savoyer kämpften und die von der Bevölkerung keineswegs gehasst wurden - ganz im Gegenteil! Es ist möglich, diese Zahlen mit anderen „mythisierten“ Persönlichkeiten von internationalem Ruhm zu vergleichen, wie zum Beispiel Robin Hood und Rob Roy MacGregor.
Die bekanntesten und gefürchtetsten Banditen der Zeit gehörten einer Adelsfamilie an: den Delitala, eingeschworenen Feinden der Savoyer. Der berüchtigtste Vertreter der Familie war nichts Geringeres als eine legendäre Frau: Donna Lucia Delitala Tedde, eine Art weibliche Version von Zorro. Sie lebte während des Spanischen Erbfolgekrieges und wurde wie eine Kriegerkönigin respektiert und gefürchtet. Eine maskierte Gesetzlose, beseelt von einem starken patriotischen Gefühl, die für ihre Heldentaten sowie für ihren kämpferischen und rebellischen Charakter bekannt ist. Sie war Vorbild und Ermutigung für die Bevölkerung, sich von den Unterdrückern zu befreien. Auch der Tod von Donna Lucia ist noch immer rätselhaft: Über die Art und Weise und Umstände, unter denen sie ermordet wurde, gibt es mehrere und widersprüchliche Versionen.
Der damalige Vizekönig Carlo Amedeo Battista von San Martino d'Agliè di Rivarolo schrieb einen Brief an König Carlo Emanuele III., in dem er die Banditin mit folgenden Worten beschrieb: Sie wollte nicht heiraten, um nicht von einem Ehemann abhängig zu sein, wie sie selbst sagt. Sie hat zwei Grenadier-Schnurrbärte und benutzt Waffen und Pferd wie ein Gendarm. Nach diesem Brief wuchs die Legende von Donna Lucia noch weiter.
Andere nordsardische Mythen über einen legendären Banditen erzählen die Taten des berüchtigten Muto di Gallura, einer emblematischen Figur, Protagonist des gleichnamigen historischen Romans von Enrico Costa aus Sassari. Der wirkliche Name des skrupellosen Taubstummen war Bastiano Tansu, der als einer der rachsüchtigsten sardischen Gesetzlosen in die Schlagzeilen trat, der in die grausame Fehde zwischen den Familien Vasa und Mamia verwickelt war, die die Gallura Mitte des 19. Jahrhunderts blutig machte. Er stammte ursprünglich aus Aggius, einem wunderschönen Dorf in der inneren Gallura, in dessen Territorium sich aufgrund unglaublicher Granitfelsen Mondlandschaften befinden, auch bekannt für das "Museum des Banditentum", das einen Besuch wert ist.
Nach der Veröffentlichung des Romans von Costa mit dem Titel "Il Muto di Gallura" im Jahr 1884 nährten die Bewohner von Aggius und benachbarten Dörfern den Mythos des blutrünstigen Banditen und fügten den Geschichten über seine abscheulichen Taten farbenfrohe Details hinzu.
Eine Legende, die wir für sehr interessant halten, wurde mit großem erzählerischem Geschick vom scharfen Schriftsteller Gianmichele Lisai geschrieben. SIe ist in der wunderbaren Sammlung von Mythen und Legenden über Sardinien enthalten, die "101 Geschichten über Sardinien, die man dir nie erzählt hat", heisst. Wir haben davon die Legende von Torco, Held von Sandalia, paraphrasiert. Die Verbindungen zu antiken griechischen Mythen sind offensichtlich:
Bevor sich die Zivilisation auf Sardinien entwickelte, schützte Torco die antike Insel vor Angriffen von Feinden aus dem Meer, die sie erobern und plündern wollten. Als Sohn von Neptun, dem Gott des Meeres, war Torco mit einer legendären Stärke und einem großen Kenner der Seefahrtskunst begabt. Unermüdlich beobachtete er die Küsten Sardiniens an Bord eines Schilfboots. Er war es, der bemerkte, dass die Insel die Form einer Sandale hatte und sie genau "Sandalia" taufte. Torco kollidierte mehrmals mit dem mächtigen Atlante, dem Kommandanten der Mittelmeerpiraten von den Küsten Afrikas. Die blutigen Schlachten zwischen den Mannschaften von Torco und Atlante endeten immer auf die gleiche Weise: Sandalias tapfere Soldaten, angeführt von Torco, besiegten die Piraten.
Im Laufe der Jahre ist sogar Torco, trotz seiner göttlichen Herkunft, älter geworden. Atlante beschloss voller Tatendrang, den physischen Verfall von Torco zu nutzen, um den endgültigen Angriff zu starten. Er stellte sich ans Kommando aller Piratenmannschaften Afrikas, die er zu den Küsten Sandalias führte, um ihre Eroberung durchzuführen. Hier fand eine epische Schlacht zwischen den beiden Armeen des Meeres statt. Die Piraten waren im Überfluss und in verschiedenen Phasen der Schlacht gelang es ihnen, auf Sandalia zu landen. Trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit gelang es Torco und seinen tapferen Männern immer wieder, die Eindringlinge abzuwehren und sogar die Schlacht zu dominieren, bis ein ruchloses Ereignis das Schicksal der Schlacht kippte. Atlantes Schiff rammte Torcos zerbrechliches Boot, das mit der gesamten Besatzung in den Tiefen des Meeres versank. Die Bewohner der Insel gerieten in Verzweiflung, denn ohne den tapferen Anführer waren sie den Piraten wehrlos ausgeliefert.
An diesem Punkt griff Neptun ein. Er rettete seinen leblosen Sohn, indem er ihm den Geist des Meeres in den Mund bläs, um ihn in einen Meermann zu verwandeln: halb Mensch und halb Fisch. Torco erwarb sich die Fähigkeit, so wendig und schnell wie ein Fisch zu schwimmen. Mit neuer Entschlossenheit und Stärke stellte er sich an die Spitze des Heeres der Wassermänner, mit denen er die Piratenschiffe umzingelte. Durch kräftige Bewegungen der Fischschwänze verursachten sie hohe Wellen, die die Boote der Eindringlinge zerschmetterten und sie Schiffbruch erleiden ließen. Wieder einmal wurde die Insel dank ihres Helden gerettet.
Die Legende besagt, dass Torco und seine treuen Wassermänner auch heute noch das Meer von Sandalia bewohnen und heftige Stürme mit kräftigen Körperbewegungen verursachen, um die Gefahren zu signalisieren, die vom Meer kommen.
Andere Legenden sind neueren Datums, oder sie wurden ausgearbeitet und in die wissenschaftlichen und archäologischen Theorien verschiedener sardischer Schriftsteller und Gelehrter aufgenommen. Möglicherweise hängt die faszinierendste Legende von allen mit der Theorie des bekannten italienischen Journalisten Sergio Frau zusammen, der Sardinien mit der legendäre Atlantis identifizierte!
In seinem Essay analysiert der Schriftsteller sardischer Herkunft viele Hinweise, zahlreiche geographische, anthropologische und historische Analogien, Spuren von Katastrophen an Nuraghenbauten und archäologischen Funden. Seine Untersuchungen und Schlussfolgerungen führen den Schriftsteller zu der These, dass die mythischen Säulen des Herkules, von denen unter anderem der Philosoph des antiken Griechenlands Platon schrieb, seit Jahrhunderten falsch verortet werden. Sergio Frau meint, sie sollten zwischen Sizilien und Tunesien sein. Ausgehend von dieser Annahme wäre die sagenumwobene Insel Atlantis, von der Platon im "Timaios und Kritias" spricht, eigentlich Sardinien.
Wenn Sie sich für historische Archäologie interessieren und diese faszinierende Theorie vertiefen möchten, können Sie den Buch von Sergio Frau mit dem Titel „Die Säulen des Herkules“ lesen.

Sardische Mythologie der Nuraghen-Zivilisation
Sicherlich, sind viele alte Geschichten in irgendeiner Weise mit den mysteriösen "Dolmens" und "Menhire", mit den in Felsen gehauenen vor-Nuragischen Grabkammern "Domus de Janas", mit den eindrucksvollen "Gigantengräber", mit den rätselhaften und geometrischen "Heiligen Brunnen", und mit den imposanten Nuraghentürmen der Bronzezeit, verbunden. Es handelt sich um faszinierende Steingebäude, deren Ursprünge den Bewohnern des Hinterlandes Sardiniens in den vergangenen Jahrhunderten rätselhaft erschienen: Menschen, die sich der Feldarbeit und Viehzucht verschrieben hatten, und oft schlecht ausgebildet waren.
Daher wird der Bau solcher antiken Denkmäler oft fantastischen Kreaturen zugeschrieben. z.B.: „Domus de Janas“ bedeutet „Haus der Feen“ im sardischen Dialekt des Logudoros.
Im Laufe der Zeit sind aus diesem Volksglauben verschiedene Legenden entstanden, die mythologische fantastische Kreaturen als Protagonisten haben. Ein Beispiel dafür ist ein Mythos aus der Gegend von Oristano, der in der oben erwähnten Sammlung von Lisai enthalten ist, mit dem Titel: Der Wahnsinn, der im Brunnen von Santa Cristina lebte. In dieser Geschichte hat der Wahnsinn die allegorische Erscheinung einer schönen und rachsüchtigen Frau, die nach einer von den Einwohnern von Paulilatino verursachten Ungerechtigkeit, Charaktere und Besonderheiten auf die Einwohner der Dörfer Campidano, Montiferru und der Sinis-Halbinsel magisch verteilte.
Eine weitere wichtige mythologische Figur in Sardinien ist der "Riese". Auf der Insel gibt es eine Pseudo-Anbetung für diese mythologischen Figuren, die tief in der sardischen Kultur verwurzelt sind. Mehrere Mythen und Legenden sind den Riesen gewidmet.
Das Thema wurde auch im figurativen künstlerischen Bereich aufgegriffen: Die Apotheose wird durch die Statuen der Riesen von Monte Prama repräsentiert; bis zu 2,5 Meter hohe steinerne Heldendarstellungen. Die Skulpturen wurden 1974 von einigen Bauern zufällig auf der Sinis-Halbinsel gefunden, genau in Mont'e Prama: einem Ort, dem mehrere Gelehrte heute den Status eines "Heroons" zuschreiben. Die Entdeckung der Rundum-Skulpturen der stolzen Bogenschützen, Krieger und Boxer wurde jahrzehntelang vernachlässigt. Im Laufe der Zeit wurden die Statuen aufgrund ihres imposanten und rätselhaften Aussehens und dank ihrer Datierung in die Nuraghenzeit, zu richtige sardischen Ikonen.
Die steinernen Helden, für uns Sarden einfach „die Riesen“, räpresentieren eine scheinbar jahrelang bewusst ignorierte Welt. Sie haben und Archäologen und Gelehrte gezwungen, die Kunstgeschichte neu zu schreiben! Die Skulpturen sind von den Merkmalen der kleinsten Bronzestatuen inspiriert, die „Bronzetti“ genannt warden, und oft in Nuraghen und in nuragischen Kultstätten zu finden sind.
Es ist schwierig, im gesamten Mittelmeerraum Kunstwerke zu finden, die den Statuen der Giganten ähneln.
Wenn wie geplant weitere Ausgrabungen in diesem Gebiet, oder in anderen Gebieten mit hoher Funddichte auf Sardinien, durchgeführt werden, wird es möglich sein, das Geheimnis der sagenumwobenen Riesen zu lüften und ihnen die Bedeutung zuzuschreiben, die sie tatsächlich haben für die mediterrane und weltweite Kunst und Archäologie.
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